James Bond und teure Schweizer Uhren gehören heute scheinbar untrennbar zusammen. Vor allem die Marke Omega prägt dabei seit Jahren das Bild des britischen Geheimagenten. Umso ungewöhnlicher wirkt rückblickend eine Phase in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren, in der Roger Moore als Bond plötzlich nicht mehr Rolex, wie sein Vorgänger Sean Connery, sondern futuristische Digitaluhren aus Japan trug – von Seiko.
Diese Entscheidung war weit mehr als nur Product Placement. James Bond sollte moderner werden, die Gadgets wurden immer ausgefallener und während die traditionelle Schweizer Uhrenindustrie inmitten der Quarzkrise steckte, entwickelte sich Japan zum technologischen Zentrum der Uhrenwelt.
Seiko stand für Innovation, Miniaturisierung und elektronische Zukunftsvisionen. LCD-Displays, Alarmfunktionen, Speicherbanken oder sogar ein tragbarer Fernseher am Handgelenk wie die berühmte Seiko TV-Watch, die James Bond in „Octopussy“ trug, wirken beinahe wie Science-Fiction – und passten damit perfekt in die technikverliebte Roger-Moore-Ära der Bondfilme.
Alles begann in meinem Geburtsjahr 1977 mit „The Spy Who Loved Me“ / „Der Spion, der mich liebte“…
1977 „Der Spion, der mich liebte“
SEIKO 0674-5009 LC
Bonds erste – und neben der berühmten TV-Watch aus „Octopussy“ wohl auch bekannteste – Seiko war die 0674 LC, die „Q“ im Film mit einer Art „Ticker“ ausgestattet hatte. Bond trägt sie durchgehend während des gesamten Films, wobei sie ihren berühmtesten Auftritt gleich zu Beginn hat. In den Schweizer Alpen erhält Bond über sie die Nachricht: „007 To Report HQ. Immediate M.“

Die Seiko 0674-5009 LC ist eigentlich eine technisch relativ simple Uhr. Stunde, Minute, Sekunden und der Wochentag wurden angezeigt. Kein Alarm, keine Chrongraphenfunktion, keine weiteren Features. Das sie heute derart hoch gehandelt wird – sehr gute Exemplare erreichen teils Preise von 800€ und mehr – verdankt sie vor allem diesem Auftritt als Filmuhr. Ohne den Bezug zu James Bond läge sie preislich wohl deutlich darunter. Ihr Nachfolger beispielsweise, die 1975 erschienene und technisch wesentlich komplexere Seiko 0634 LC mit Chrongraphenfunktion, wird nur um die 300 bis 400€ gehandelt.
1979 „Moonraker“
SEIKO M354-5019 Memory Bank Calender
1979 wird es an Bonds Handgelenk dann schon technisch deutlich fortschrittlicher. Er trägt eine Seiko M354-5019 „Memory Bank Calender“. Diese Uhr konnte Termine bis weit in die Zukunft speichern. Naja, zumindest bis zum Jahr 2009 – was offensichtlich damals als fernste Zukunft angesehen wurde. Neben der Zeit – wahlweise im 24h oder 12h Modus – zeigte sie permanent auch den Tag und das Datum an oder den Kalender für den kompletten Monat. Im Film nutze Bond die Uhr bzw. den darin befindlichen Sprengstoff, um aus der Moonraker-Startplattform zu entkommen.
Die M354-5019 wird relativ häufig angeboten. Gut erhaltene Exemplare sind um 300 bis 400€ zu haben.


1981 „In tödlicher Mission“
SEIKO H357-5040 Ana-Digi
& SEIKO 7549-7009 „Golden Tuna“
Die Seiko H357-5040 markiert bei Seiko den Übergang weg von reinen LCD Digitaluhren, hin zu multifunktionalen Ana-Digi Modellen der frühen 1980er. Die Uhr hatte sowohl analoge als auch digitale Anzeige, Alarm, Zeitzonenfunktionen und ein beleuchtetes Digitaldisplay.
Im Film konnte Bond über die Nachrichten empfangen

und über den auf der Rückseite befindlichen Lautsprecher auch per Sprache kommunizieren. Was den Papagei in der Schlussszene dann auch dazu bewog, die Uhr ins Meer zu entsorgen.


Für ein gut erhaltenes Exemplar muss man aktuell um die 500€ veranschlagen.
Die zweite Seiko, die James Bond in „In tödlicher Mission“ trägt, ist die Seiko 7549-7009 „Golden Tuna“. Sie ist bei den Tauchgängen mehrfach zu sehen.

Die „Golden Tuna“ war eine professionelle Taucheruhr und mit einer Wasserdichte bis 600m auch für das Sättigungstauchen geeignet. Ihren Spitznamen „Golden Tuna“ trägt sie zum einen wegen des an eine Thunfischdose erinnernden Designs und zum anderen aufgrund ihrer goldfarbenen Titannitrid-Beschichtung. Ihr Quarzwerk, das Kaliber 7549 war extra für die „Golden Tuna“ konstruiert worden und gilt bis heute als eines der robustesten, langlebigsten High Quality Quarzwerke die Seiko jemals konstruiert hat.
Heute ist sie weniger als typische „Bond-Uhr“ bekannt, aber als professioneller, qualitativ sehr hochwertiger Diver unter Sammlern sehr gefragt. Topexemplare erreichen oft bis zu 1500€.

1983 „Octopussy“
SEIKO G757-5020
& SEIKO T001-5000 TV Watch
In „Octopussy“ hat James Bond dann endgültig den Weg von der einfachen LCD Quarzuhr wie in „Der Spion, der mich liebte“, hin zum „Minicomputer am Handgelenk“ abgeschlossen.
Die Seiko G757-5020, die Bond im Film trägt, hat eine multifunktionale Digitalarchitektur und verfügt über Kalender, Chronograph, Countdown Timer, Alarm, Stundenalarm und Weltzeit- bzw GMT-Funktion. Das LCD ist untergliedert in eine Digitalanzeige und eine graphische Segmentanzeige. Das Kaliber ist anfällig und Ersatzteile de facto nicht mehr zu bekommen. Gute, voll funktionsfähige Exemplare sind rar und nicht unter 600 bis 700€ zu finden.
Im Film nutzt Bond die Uhr mehrfach zur Ortung.

Noch deutlich spektakulärer ist die berühmte Seiko TV Watch T001-5000.


Die 1982 von Seiko auf den Markt gebrachte T001 war (anders als im Film dargestellt) kein eigenständiges Gerät, sondern Teil eines Systems, das auch den tragbaren – und nicht gerade kleinen – TV Receiver umfasste. Ihr in der Realität monochromes Display hatte eine Auflösung von gerade einmal 64 x 48 Pixel und die Uhr selbst war eigentlich nur Bildschirm und Steuergerät. Die gesamte Technik steckte im portablen TV Receiver, der mit einem Anschlusskabel verbunden werden musste.
Was heute, im Zeitalter der Smartwatch, eher kurios wirkt, war 1982 wirklich High Tech. Die Seiko T001-5000 erhielt damals sogar einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde als „kleinstes TV Gerät der Welt“ und zeigte auf revolutionäre Weise, die technische Überlegenheit Seikos als Uhrenhersteller.
Vollständige Sets tauchen am Markt kaum auf. Die Preise für die einfache Uhr variieren oft zwischen 600 und 1000€.

1985 „Im Angesicht des Todes“
SEIKO 7A38-7060, SEIKO H558-5000, SEIKO 6923-8080 & SEIKO 7A38-7000 (Zorin)
1985 verabschiedete sich sowohl Roger Moore als auch Seiko aus der James Bond Reihe. Moore mit der Aussage er sei „zu alt“ und Seiko mit gleich vier mehr oder weniger prominent platzierten Uhren.
Die am besten im Film zu sehende Uhr ist die Seiko 7A38-7060. Zumindest ist diese Referenz aktuell wohl die wahrscheinlichste Annahme, nachdem zuvor jahrelang von einer 7A28-7020 ausgegangen worden war.

Die 7A38 ist die Variante mit Kalenderanzeige. Aufbauend auf dem Grundkaliber 7A28 – dem weltweit ersten Quarz-Chronographen – ist das hochwertige und voll wartbare Werk komplett metallisch gefertigt und verfügt über 15 (!) Lagersteine und mehrere unabhängige Schrittmotoren. Der 1/10s Chronograph bietet zudem die Möglichkeit Zwischenzeiten zu messen. Die 7A38-7060 ist die klassischste Seiko, die Bond jemals trug. Sie ist wieder Uhr, nicht Gadget. Heute ist die Referenz vor allem wegen des wirklich hochwertigen Quarzwerks und ihrer historischen Bedeutung als erster Quarz-Chronograph überhaupt gefragt. Gute Exemplare sind oft deutlich unter 500€ zu finden.


Interessanterweise trägt auch Bonds Gegenspieler Max Zorin eine nahezu identische Uhr. Eine Seiko 7A38-7000 Bicolor.
Im Film ebenfalls – allerdings nur sehr, sehr kurz – zu sehen ist eine Seiko H558-5000 Ana-Digi Diver und eine Seiko 6923-8080, die hier nur der Vollständigkeit halber genannt sind.
Damit endete die Zusammenarbeit von James Bond und Seiko im Jahr 1985 ebenso abrupt, wie sie 1977 begonnen hatte. Moores Nachfolger als Bonddarsteller, Timothy Dalton, trug mit TAG Heuer und Rolex wieder Schweizer Uhren, Pierce Brosnan und Daniel Craig ausschließlich Omega Seamaster.

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